Lebenszeitmanagement
Für die Menschen hat nur Bedeutung, was sie während ihres Lebens antreffen; mit anderen Worten, womit sie ihre Zeit verbringen, das hat Bedeutung. Man kann das nicht ausschalten, wenn manches auch als noch so unbedeutend deklariert wird, es bedeutet! Keiner redet von Dingen, von denen er nie gehört hat. Philosophie hat nur für denjenigen Bedeutung, der seine Zeit damit verbringt, wie nur demjenigen ein Autorennen etwas bedeutet, der damit seine Zeit verbringt. Diejenigen, die keine Zeit auf die Philosophie verwenden, für die ist sie bedeutungslos. Aber genauso hat auch ein Stau oder ein Einkauf beim Bäcker Bedeutung. Also womit verbringen wir unsere Zeit? In dieser, alltäglich zu fällenden - meist jedoch unbewussten - Entscheidung liegt nichts weniger als die Selektion von Bedeutungsinhalten, welche unserer Lebenszeit Sinn geben. In der Entscheidung etwas zuzulassen liegt alles, was einst so bedeutungsvoll unser Leben ausgemacht haben wird. Müssen wir uns nicht wundern, wie leichtfertig wir die Dinge auf uns los lassen? Das Management unserer Lebenszeit entscheidet schließlich darüber, welchen Bedeutungen wir Einlass gewähren, welchen Versuchungen wir uns aussetzen, mit welchem Sinn wir unser Leben aufladen. Der Zwang (durch die Zeit) zur Selektion zieht die notwendige Beschränkung nach sich. Er führt dazu, dass wir nie alles überblicken werden können, also Bedeutungen uns zwangsläufig überraschend befallen; aufmerksam prüfen, worauf wir uns einlassen! Hängt doch davon nichts weniger als unsere Zugehörigkeit ab. Steigende Auswahlmöglichkeiten differenzieren über das Lebenszeitmanagement die Menschheit in Bedeutungsangehörige. Wir widmen nicht unsere Zeit dem, was uns etwas bedeutet, sondern viel mehr bedeutet uns das etwas, das uns in Anspruch nehmen durfte. So füllt sich unser Leben unbemerkt, anscheinend zufällig mit Sinn, während wir noch im Kaffeehaus sitzend über den Sinn des Lebens nachdenken; wie auch mich der Weg heute nur zufällig ins Kaffeehaus führt und ich sitzen bleibe. Ich bemerke, wie viel es mir bedeutet hier zu sitzen, aber ich komme nur selten wegen dieser Bedeutung hierher, und wenn ich nicht hier bin, ist es mir ziemlich einerlei, das Kaffeehaus.
Augsburg - 19.10.05 - Jürgen Mick
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