Die Bilder geben uns Zucker. Wenn wir aufschauen, finden wir uns in einem grenzenlosen, medialen Raum wieder. Die Bilder sind Zukunft und Vergangenheit zugleich. Sie sind Versprechung und Wirklichkeit, nur schlecht auseinander zu halten. Die Unendlichkeit des Medienraums macht uns heute bewegungslos, wie die einst neue Größe der öffentlichen, städtischen Räume im 19. Jahrhundert die Massen passiv machte. (vgl. Sennet)
Der Staat hat seine Macht verloren. Seine regulierenden und schützenden Aufgaben kann er nicht mehr erfüllen. Die Politiker sind gefangen in der Struktur des medial verführten Staates. Unpopulär zu sein kann sich ein Politiker nicht leisten, angesichts der Verheißungen, die uns via Kabel täglich erreichen. Es gilt Schritt zu halten mit den Versprechungen der Werbeindustrie. Wird man doch schließlich als Politiker in den selben sekundenschnell geschnittenen Szenen präsentiert wie jedes andere Produkt.
Die Möglichkeit das "We want it all and we want it now!" zu realisieren ist uns in die Fernbedienung gelegt und hat uns bewegungslos gemacht. Das Ziel hat sich unseren Handlungen entzogen, was eine allgemeine Untätigkeit erzeugt, wovon die Arbeitslosigkeit nur eine der äußeren Erscheinungen darstellt, wie Paul Virilio sagt. Diese Untätigkeit läßt uns um Hilfe rufen und in unserer Verzweiflung rufen wir nach dem Staat. Ein verhängnisvoller Trugschluß. Der Staat hat sich verflüssigt und ist in Spuren nur noch schwach erkennbar, im Strom der Globalisierung. Seine vormaligen Aufgaben ist er im Begriff an den Einzelnen oder an global strukturierte Organisationen abzugeben.
12.97/11.03
Literatur
1) Virilio, Paul "Krieg und
Fernsehen (Fischer TB Verlag, 1997)
2) Sennet, Richard
"Fleisch und Stein (Suhrkamp 1997)
Staat im Medienraum
von Jürgen Mick
