48. und allerletztes Kapitel

Keine üble Nachrede


Dem redlichen Leser!
Ihm sei zuletzt mein Dank übermittelt für seine ausdauernde Neugier. Sicherlich vermisst der wahrlich Akribische eine Aussage über den weiteren Verbleib des Helden. Nur soviel lässt sich sagen: Man beschuldigte ihn vielerorts des Todes seines Freundes. Man warf ihm Arglist und Überheblichkeit vor, diagnostizierte ausgeprägt egoistische Persönlichkeit, pathologische Selbstbezüglichkeit, egomanischen Individualismus. Dies und vieles mehr trugen seine Gegner, von denen die wenigsten ihn zu Lebzeiten zu Gesicht bekommen hatten, gegen ihn ins Feld. Für sein vermeintlich arrogantes Verhalten musste er in seiner Abwesenheit so manche Schläge einstecken. Allerdings glänzen, wie bekannt, ja gerade bei Abwesenheit diejenigen durch üble Nachrede, die ansonsten den Kienspan im Maul feilhalten. Na ja, und seine Jünger, das versteht sich von selbst, die hoffen noch heute auf ein wiedersehen. Einige behaupteten steif und fest, er sei seinen Verfolgern ins Netz gegangen und hingerichtet worden, wohl um ihn endgültig zum Märtyrer machen zu können. Die etwas bodenständigeren Gemüter vermuteten er habe wahrscheinlich tatsächlich dem Geruch des rohen Schinkens nicht widerstehen können und sei unentdeckt zurückgekehrt, in jene Stadt, die sein letztes Ziel gewesen sein soll; was ich allerdings für äußerst unwahrscheinlich halte, wenn auch nicht für unmöglich. Glauben schenken darf man am ehesten der dritten Annahme, dass er, der Philosophenkönig, nie wieder gesehen worden war, unter den Menschen.

Leider lieber Leser versiegte an dieser Stelle die glaubwürdigste aller Quellen. Ich bedaure selbst am meisten, dass dem aufrichtigen Finder des Reliefsteines, aber umso unmäßigeren Fresser, der einerseits die Verwendung des gemeißelten Unfugs als Baumaterial verschuldete, was ihm bei der Aussicht auf freie Kost und Logis auf Lebenszeit nicht zu verdenken sei, dem andrerseits wir übergebührlich die Übermittlung der Ereignisse bis hierher danken müssen, während seiner Verköstigung ziemlich schnell die Luft ausging und wenige Augenblicke später sein Verstand flöten. Aus diesem Grunde hielten sich die Kosten für seinen Unterhalt zwar in Maßen, doch leider war alles Weitere, was er von sich gab, mit Recht nur noch als sinnlos bezeichnet worden und nicht weiter für Wert befunden es aufzuzeichnen. Schade: Es kommt nicht mehr! Und es bleibt uns nichts, als zu schließen!

Conclusio!*

 

*"Die Erlösung liegt wie immer jenseits der Geschichte", wie ein mehr oder weniger berühmter Mann einmal sagte. (Soweit sich der mittlerweile sehr mitgenommene und stark ergraute Autor noch zu erinnern vermag.)

 

 

 
    TEIL I
TEIL II
TEIL III
29
Wie Panini zum zweiten Mal auf diese Welt gezerrt wurde.
30
Wie Panini sich entschloss sich von Eusebius einen Urlaub zu genehmigen
31
Wie Panini sich ein paar Tage Pubertät zuviel gönnte
32
Wie Panini bei seinem Chillout so sehr abkühlte, dass er beinahe verbrannt wäre
33
Wie Panini auf dem Weg nach Dekadentia von der Existenz Gottes überzeugt werden sollte
34
Wie Panini, von schlimmsten Zweifel geplagt, den Teufel herbei zitiert und Naturgesetze erntet
35
Wie Paninimit samt seinen Kameraden Gefahr lief den Kopf zu verlieren
36
In dem schon einmal ein paar Köpfe von ihrem Rumpf getrennt werden sollten
37
In dem Panini das erste Mal mit seinem kantigen Vater sprechen sollte
38
Wie Panini in letzter Sekunde untertaucht, um unter heftigem Magendrücken sein Lebenswerk zu verfassen
39
  Da Eusebius heimlich in Paninis Werk las und diesen ungehemmt seinen Zorn darüber spüren ließ
40
  Wie die Helden sich aus dem Weg gingen und Panini mit einem Fuß im Paradies wandelte
41
  Wie in Gynopolis eine nie dagewesene Masse Karneval am Strang feierte
42
  Wie der Zufall die Helden in die Schlacht führte,
die niemand wollte
43
  Eine kurze Nacht und das Ende einer langen Reise?
44
  Wie man in bilateraler Euphorie begann an Utopia zu arbeiten, während sich der Horizont schon verfinsterte
45
  Wie ein Schlag ans Schienbein oft mehr einbringt, als einer an den Kopf
46
  Am Ende der Erlösung
47
  Wie Panini und Eusebius Verfolger witterten und zu Gehetzten wurden und plötzlich ...
48
Keine üble Nachrede