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Die Idee »Europa«
Eine Geschichte des Reisens

von Jürgen Mick

Wer etwas von der Idee »Europa« spüren will, der solle Soldatenfriedhöfe besuchen, heißt es. Er kann aber auch eine Erzählung des verehrten Herrn Voltaire zur Hand nehmen, die da heißt: »Geschichte der Reisen Scarmentados«. Darin unternimmt der so seltsam benannte junge Mann Reisen, aus dem einfachen, aber heute wohl nur noch schwerlich nachzuvollziehenden Grunde, seinen Wissensdurst stillen zu wollen und die Wahrheiten über unseren Zustand auf Erden zu erfahren!

Vielleicht ist uns das Reisen abhandengekommen? Vielleicht aber auch nur der Wissensdurst. Die Welt ist klein geworden, der Kopf zu voll, die Fakten auf dem Nachttisch, zumindest auf dem darauf ruhenden Laptop abgreifbar. Da bleibt keine Kehle mehr trocken. Wer den Computer öffnet wird einem Fakten-Boarding unterzogen, dass es nicht wundern mag, wenn man alsbald die Schnauze voll hat und auf Wissensdurst nichts gibt.

Das eigene Bett muss nicht verlassen werden, um Bescheid zu wissen, über die Weltöffentlichkeit. Alles reicht bis zu uns heran, alles, das geschieht, greift scheinbar bis in unser Leben tief hinein. Dass es gar schwerer wird, uns zu verbergen, als uns zu zeigen. Wozu also noch ausfahren, wozu noch verreisen? Wir Reisen - wenn man so will - virtuell, tagtäglich mit unserem Smartphone in der Hand ohne uns vom Fleck bewegen zu müssen.

Dennoch gibt es möglicherweise Gründe für eine physische Bewegung, für das wortwörtliche Ab-Fahren einer Strecke und das tatsächliche Be-Greifen. Vielleicht lässt sich nur auf diese alte Weise so etwas, wie die Idee »Europa« nachvollziehen und verstehen?! Indem man einen Fuß vor den anderen setzt, ganz physisch und handgreiflich ausfährt, um zu begreifen, was einen umgibt. Wenn man die Schnauze voll hat, von all den Fakten, die man einem ungefragt ins Haus kübelt, dann sollte das doch ein Grund mehr sein, sich aufzumachen, um Erde und Asphalt unter den Füßen zu spüren und den Winden und Wolken zu folgen (anstatt einer Smartphone-App!) Dann sollte man wieder Menschen begegnen und selbst entscheiden, ob sie einem fremd vorkommen, oder doch ähnlich sind, sympathisch oder unangenehm erscheinen. Die Straßen und Wege gehen, die Berge überqueren und auf das Meer hinausschauen, das uns umgibt, die Zeugen aufsuchen, die von einer Vergangenheit erzählen, die auch unsere Geschichte sein könnte, das sollte Auftrag sein für einen jeden jungen Geist.

Leider ist bis jetzt nichts aus der Idee des Europaparlamentes geworden, jedem Volljährigen ein Inter-Rail-Ticket zum 18. Geburtstag zu schenken. Dabei wäre genau das, der Moment, in dem man unbefangen und frei losziehen könnte, um zu entdecken, wovon man so oft hörte, aber sich beileibe keine Vorstellung machen konnte: Von Europa, der abstrakten, nicht eindeutig abgrenzbaren, kontinentalen Halbinsel, der stierreitenden Jungfrau, die sich Zeus nicht zu verweigern vermochte, der seltsam uneinigen Einheit von vielen, dem Vielvölker-Staat? Es ist die Zeit, in der man in Ruhe, - während man auf öden Bahnhöfen, von denen die Welt noch nie gehört hat, der Weiterreise harrt, oder in verschwitzten, unklimatisierten Zugabteilen einem unbekannten Ziel entgegen döst - und man einfach mal die Zeit hat, drüber nachzudenken, was Europa eigentlich ist und was es bedeuten kann.

Die Idee »Europa« stammt nämlich von Leuten, die sich mit Muskelkraft um ihr Überleben kümmern mussten. Sie stammt von Menschen, die bereit waren ihr Blut dafür zu vergießen, dass man einmal sorglos - das war keineswegs immer so - durch die Wälder streifen kann. Sie stammt von Fischern und Bauern, denen Grenzen immer schon als willkürlich vorkamen. Die Idee »Europa« ist alt geworden, mit uns, den Analogen, die wir die letzten waren, die ausfuhren, losliefen und es einfach nur faszinierend fanden, unter stillgelegten Schlagbäumen unbehelligt hindurchzufahren.

Wir liebten die dramatisch, lieblich oder ruppig klingenden - auf jeden Fall unverständlichen - Sprachmelodien, die zerknitterten, unbekannten Geldscheine fremder Nationen. Auch die andersartigen Gesichter, Nasen und Münder und das Lachen und Zetern, das man, Gott sei Dank, nicht verstand, mochten wir noch viel mehr. Das Fremde, auf das man zuging, das so nah war, geheimnisvoll, oder sogar verheißungsvoll, lockte und wir frohlockten; - ohne zu wissen, wie vielen Menschen wir dafür dankbar sein mussten, weil es allemal höchst unwahrscheinlich ist, dass Ideen Wirklichkeit werden. Das geschieht meist nur dann, wenn einfache Menschen lange Zeit bereit sind, alles dafür zu geben.

Und vielleicht würde die eine oder der andere Inter-Railer bei Gelegenheit dann doch mal an einem Soldatenfriedhof vorbeischauen.

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Alternative Fakten, was sonst?

von Jürgen Mick

Die Meldung "... am dritten Tage auferstanden von den Toten ..." würde heute mit Sicherheit mit der prompten Unterstellung "It´s Fake News" kommentiert. Doch auch bereits vor zweitausend Jahren dürfte der Ausruf dieser Neuigkeit mindestens zur Provokation alternativer Fakten verführt haben. Darin sehen wir einen Unterschied. "Fake News" bezichtigt eindeutig der Lüge, wohingegen "Alternative Fakten" auf abweichende Sichtweisen verweist.

Wer den Begriff Alternative Fakten schmäht unterstellt, dass Fakten unumstößliche Wahrheiten zum Ausdruck brächten. Und gerade das sollte niemand mehr behaupten! Auch sollten "Alternative Fakten" nicht mit der aktuell kursierenden Beschreibung des "Postfaktischen" in einen Topf geworfen werden. Wenn "postfaktisch" meint, den Emotionen, also dem Bauchgefühl, mehr trauen zu können, als Fakten, und Fakten somit für obsolet erklärt, so stellt der Begriff "Alternative Fakten" Fakten als solche nicht in Abrede, sondern wirft vielmehr die Frage nach der Wahrheit auf. Und beantwortet sie nicht! Alternative Fakten sind also dringlichst zu unterscheiden von der Lüge oder der Übertreibung. Böse der, der das eine durch das andere zu verschleiern sucht.

Alternative Fakten erinnern uns einmal mehr daran, dass Tatsachen immer auch eine Interpretation zu Grund liegt. Fakten sind kommunizierte Sachverhalte, die in Beschreibung und somit in Erzählung gegossen sind. Der eine sagt so, der andere so. Das ist der Ausgangspunkt jeder Kommunikation: der Dissens. Alle wissen, die klassische Zeugenaussage ist eine mit Vorsicht zu genießende vermeintliche Wahrheit. Eine Wahrheit ist eine Beschreibung eines Sachverhaltes, die den jeweiligen Beobachter mitberücksichtigen muss. Das gilt selbst für physikalische Formeln, und seit Heißenberg liegt der Beweis für derartige Relationalität jeder Beobachtung in Form einer Gleichung vor.

Fakten sind beschriebene Sachverhalte, die immer vom Beobachter abhängig sind. Und Kommunikation besteht immer im Austausch alternativer Fakten. Gäbe es kein alternierende Ansichten, worüber sollte man sprechen? Wenn jedem die Welt als der selbige Fakt vorläge, dann wäre die Welt doch bereits im Kältetot erloschen.

Alternativen austauschen zu müssen, ist das Resultat differierender Anschauungen von Welt, innerhalb vollständig voneinander getrennter, physisch-psychischen Systemen (sprich: Gehirnen). Die prinzipielle Unerreichbarkeit des alter ego ist der Anstoß, alternative Fakten "auszutauschen", sprich: zu kommunizieren. Und das liegt daran, weil es höchst unwahrscheinlich ist, dass zwei voneinander getrennte Gehirne ein und dasselbe "denken".

Einfache Antworten brillieren durch Verzicht auf semantischen Reichtum. Eingeschränkte Bedeutungsvielfalt suggeriert dann, Fakten seien alternativlos. Das Insistieren auf Fakten ("it´s true") soll Kommunikation unterbinden, wie auch die unschöne Rede von der Alternativlosigkeit. Alternativlose Faktizität ist eigentlich der Metahinweis jeder Kommunikationsverweigerung. Auf gut bayrisch: "I´ hab´ recht und jetz´ is´ ausg´red´t!"

So nimmt die Trumpsche Administration einerseits ihr Recht auf alternative Fakten in Anspruch, was in meinen Augen ihr gutes Recht ist, würde sie nicht andererseits jede Art der Meinungsvielfalt (der Presse) versuchen zu unterbinden. Ihr Subtext lautet daher auf Besitz der alleinigen Wahrheit. Und das ist der Versuch der Tarnung der Lüge durch die Faktizität von Alternativen. Das ist der eigentliche Skandal, sich zu genehmigen, was man anderen untersagt.

Alternative Fakten heißt eigentlich nur: Wir müssen darüber reden!
Das ist es, was wir endlich wieder lernen sollten, darüber zu reden, anstatt uns vermeintliche Wahrheiten - oder wie sie heute heißen: Fakten - um die Ohren zu hauen! Da befinden wir uns nämlich sofort auf ideologisch vermintem Terrain, wie es die alten Weltreligionen sich seit jeher streitig machen.

Der Anspruch auf Vernunft hingegen besteht darin, gerade alternative Fakten unaufgelöst nebeneinander existieren zu lassen und Anschauungen als solche zu kennzeichnen und anzuerkennen. Das heißt im Wortsinne, Gleichgültigkeit walten zu lassen, unter der Prämisse der Offenheit zum Austausch alternativer Fakten. Der Diskurs, der Streit, der Dissens sind als verbale Auseinandersetzung schließlich zur Basis einer Regierungs- und Staatsform geworden, die ihre Legitimität erstmals nicht auf physischer Gewalt gründet: der Demokratie. Die das Gewaltmonopol zwar für sich beansprucht, aber tunlichst darauf verzichtet, es auszuspielen.

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Smart City
Der Code der Stadt

von Jürgen Mick

FK Network verwaltet in Shanghai die Daten von 60 Tausend Einwohnern eines Stadtteils. Dabei handelt es sich um Daten über deren Gesundheit, deren Anwesenheit zu Hause, deren Tätigkeiten in Beruf und Freizeit. Die Spielplätze der Kinder sind über serienmäßig installierte Monitore von der Wohnung aus überwachbar. Ihr Zuhause ist via Internet mit der zuständigen Krankenstationen verbunden. Der Zutritt in ihre Wohnung wird über die gleiche Chipkarte ermöglicht, auf der auch ihr regelmäßiger Gesundheitscheck gespeichert wird. So werden Praxisbesuche eingespart. Man konsultiert via Bildschirm seinen Arzt und über ein angeschlossenes Labor werden zeitnah die Befunde aller untersuchten Körperfunktionen geliefert. Das Ziel ist klar: FK Network ist bestrebt diese Dienstleistung auf Millionen weiterer Stadtbewohner Shanghais auszudehnen. Asien ist Vorreiter in Sachen Smart Cities. Was in westlichen Augen an Überwachung grenzt, wird in Asien als Dienstleistung empfunden und unter dem Etikett der Vorsorge und der Sicherheit an die Bürger gebracht und dankend angenommen; von den meisten.

Aber auch in London wird bereits den Nutzern bestimmter Smartphone-Apps die Wahrscheinlichkeit eines Sitzplatzes in der U-Bahn mitgeteilt, was nur möglich ist, weil sensorisch sämtliche physischen Bewegungen in der Underground registriert und in Echtzeit verrechnet werden. So prognostiziert man Verkehrsströme, die man gleichzeitig durch die Prognose selbst manipuliert, was zu einem sich selbstregulierendem Verkehrsaufkommen führt. Ähnlich dem Regelkreislaufes einer mit Thermostat gesteuerten Heizanlage, reguliert sich durch die Verkehrsteilnehmer das, was sie selbst verursachen. Dank der sensorischen Datenerhebung gelingt es, mittels kybernetischer Verknüpfung in Echtzeit kompensatorische Maßnahmen einzuleiten und somit Stoßzeiten abzudämpfen. Smart City funktioniert vor allem durch die Teilnehmer an smarten Systemen. Smart City basiert einerseits auf der Erhebung von Daten, die sich (unbemerkt) aus der elektronischen Kommunikation abzweigen lassen, wie sie in Navigationsgeräten und Smartphones anfallen und andererseits aus sensorischen Datenerhebung, die sowohl physisch, optisch und thermisch dem Öffentlichen Raum entnommen werden. Aber auch zum Teil auf Daten, die bereitwillig aus der Privatsphäre und dem Intimbereich zur Verfügung gestellt werden.

Jeder Einzelne stellt mittels einer ihm eignen "Zweiten Sensorik" - neben der ersten physischen -, bestehend aus elektronisch vernetzten technischen Geräten, eine dezentrale Schnittstelle im Verbund von Datennetzwerken dar. Unterstütz und ergänzt werden diese Daten von im Stadtraum implementierten Sensoren, wie Kameras, Fühlern und Tastern. Der Cityzen ist dabei zugleich Ausgangsobjekt und Konsument eines Regelkreislaufes. Die Smart City könnte man auch als eine Stadt in der Stadt bezeichnen. Man wird dort Teil einer elektronischen Simulation von Verhalten aller Städter in Echtzeit. Computerunterstützt kann in einer virtuellen Realität Massenverhalten prognostiziert werden und mittels simultaner Informationsdistribution ein Regelkreislauf zur Stabilisierung desselben aufgebaut werden. Die Rechnerzentralen bewerkstelligen die Verwaltungsorganisation von Verhaltensmuster ihrer zugeordneten Einwohner. Wir haben es mit einem virtuellen Kommunikationszusammenhang zu tun, der sich der üblichen Kommunikationen in der Stadt (durch Interaktionen) an die Seite stellt. Smart City bedeutet eine Erweiterung der Stadt um audiovisuelle und elektromagnetische Sensorik. Stadt als Zusammenleben bildet sich darin als Code ab.

Wie wir mit dem Abbild der Stadt als elektromagnetisch codierte Simulation, als Szenario von Massenverhalten operieren, ist zuerst einmal Neuland. Und für jede Art der Manipulation offen. Regelkreisläufe sind grundsätzlich manipulierbar. Und Desperados finden sich bereits vor Ort. Beim Umbau zur Smart City handelt es sich um eine Infrastrukturerweiterung auf Basis einer sensorischen Erweiterung physischer Eigenschaften ihrer Bewohner. Und das um eine Steigerung in unvorstellbare Dimensionen. Die Erfassung des Geschehens einer Stadt kommt der Implantation eines Kommunikationsnetzwerkes in die "alte" Stadt und damit einer somatischen Entfunktionalisierung ihrer Einwohner gleich. Wenn man davon ausgeht, dass die Stadt als Medium der Gesellschaft seit jeher als Kommunikationskatalysator fungiert, indem sie Kommunikation wahrscheinlicher macht, so kann man die Entwicklung hin zur Smart City nun unter zwei Gesichtspunkten extrapolieren, einen materiellen und einen gesellschaftlichen. Und es sei betont, dass hierauf - wie wir schon gesehen haben - weit mehr Akteure, als nur die Verantwortlichen des Stadtmanagements Einfluss nehmen, nämlich mittlerweile ist auch jeder, der ein Smartphone besitzt Teil des Codes.

Materielle Dimension
Zum einen lässt sich diskutieren, wie plausibel eine solche Umstrukturierung, angesichts der Folgen, die sie auf materieller Ebene nach sich ziehen wird, sein kann. Im Falle eines Falles kann man in Shanghai damit rechnen, dass die Polizei sich nach dem persönlichen Wohl eines jeden Einwohners erkundigt, wenn sich von diesem über einen bestimmten Zeitraum kein Bewegungsprofil nachweisen lässt. Der Fahrraddieb wird zuverlässig ermittelt über ein flächendeckend visuelles Überwachungsnetz, inklusive dazugehöriger Identifikationssoftware. Die computerunterstütze Einwohnerverwaltung, bestehend aus Echtzeitregistrierung (24 Stunden / 7 Tage die Woche), Verhaltensprognose und Abweichungsalarmierung. Es geht wesentlich um Sicherheit und Gesundheit und dazu - so macht man Glauben - ist eine Maximierung der Translation von Bio-Daten in Social-Behaviour-Erwartungen anzustreben. Dabei stützt man sich auf die Tatsache, dass alles messbar ist, was der Körper an Sensoren weitergibt. Daraus errechnet sich ein Profil, das aber nur etwas aussagt, wenn man es mit einer Standard-Vorlage abgleichen kann. Das bezieht sich auf Bewegungsmuster genauso wie auf Verbrauchermuster. Soziale Kommunikation lässt sich dadurch einsparen, sei es im Bedürfnissektor oder in den Bewegungsmodi. Pflege und Konsum lässt sich auf diese Weise rationalisieren. Das macht die Smart City in den Augen der Verwaltung effizienter und rationeller. Sie bewerkstelligt höhere Kapazität, was die Versorgung und die Organisation von Bürgern betrifft.

Smarte Systeme sind mit großer Infrastruktur verbunden. Der Einwohner ist üblicherweise sensorisch strukturell damit gekoppelt. Die Kosten für die Kommunikation müssen eingespielt werden. Bislang gibt es offiziell zwei Wege Konsum und Steuer. Also im Wesentlichen die freiwillige und die "unfreiwillige" Abgabe. Beide Fälle setzen Besitz voraus. Ein Einsatz der nötig wird um im Spiel der Gesellschaft mitagieren zu können. Und wer nichts hat? Entweder er verzichtet auf Teilnahme oder er "bezahlt" mit Bio-Daten. Denn er hat zumindest seinen Körper. Und es wird ihm nichts anderes übrigbleiben, als diesen in die Waagschale zu werfen. Die einzige Chance, die ihm bleibt, ist seinen Körper zu "verpfänden", und dadurch Teilnahme zu "erkaufen". Sein Körper wird zum Pfand. Man kennt das Prinzip, solange es Städte gibt. Die Prostitution ist in der Stadt zu Hause. Und jede Form von Leidensfähigkeit ist einsetzbar für die informelle "Anwesenheitserlaubnis". Das betrifft auch bislang alle Bereiche der Kriminalisierung. Wer nichts hat, kann dort seinen Körper ins Spiel bringen; und ihn nirgendwo besser ausbeuten, als in der Stadt, das war schon immer so, und auch das wird die Stadt sein, die sich "smart" nennt. Mit dem Unterschied, dass die Ausbeutung des Körpers sich plötzlich auf ein Milliardenfach größeres Heer von Probanten ausdehnt. Sozusagen jeder Einwohner ist körperlich nicht mehr nur anwesend, sondern physisch kommerzialisiert, quasi vorbeugend in Beschlag genommen. Das Netz der Daten speist sich durch Bio-Daten. Es entstehen Myriaden von Repliken der Körper, die einfließt und im Netz in einer Körperdaten-Datenbank zu einem virtuellen Massenkörper verschmelzen. Dieser ist statistisch verhandelbar und dank der Computerkapazitäten prognostizierbar.

Sicherheit und Versorgung sind die primären Veranlassungen für die Implementierung von Sensorik im Stadtraum. Die Stadt der Zukunft bemüht sich - zu Recht -, um die maximale Inklusion ihrer Einwohner in die Funktionssysteme der Gesellschaft. Das basiert in der Smart City im Wesentlichen auf der Tatsache, dass sich die generalisierten Kommunikationsmedien der Funktionssystem (Geld, Wissen, usw.) erstaunlich kompatibel mit der Komputation von Daten erweist. Die binäre Struktur von Kommunikationsmedien, die über Inklusion und Exklusion entscheiden, finden ihre logische Entsprechung eben auch im Code von Computersystemen und so im Code der Stadt. So wie die Erfindung der Münzen "den Handels-Weg" verkürzte, versprechen uns heute die Sensoren, eine weitere Option zum kommunikativen "Kurzschluss". Die Stadt ist traditionell der physisch dichtest besiedelte Ort, was eine optimale wissenschaftliche und wirtschaftliche Voraussetzung für die Datenerhebung darstellt. Die Große Zahl der Stadt liefert die perfekte Grundlage um statistische Systeme und Prognosen auf eine relevante Ebene zu heben.

Die Größe der Zahl entscheidet über die akzeptable Treffsicherheit der Systeme und über deren Rentabilität. Bauliche Veränderung, Instandhaltungsaufwendungen, Verwaltungskosten und Betreuungsaufwand werden sich nachhaltig in ein Kosten-Nutzen-Kalkül einbinden lassen müssen. Die Frage wird sein, welche Städte sich dies leisten wollen und ob eine Gesellschaft in der Lage sein wird, die im Laufe der Zeit auftretenden Kosten, Asynchronitäten und Verteilungsungerechtigkeiten abzuarbeiten. Zwangsläufig wird dieser Prozess Städte generieren, deren Verfassung zwischen den zwei Polen mit und ohne technische Erweiterung changieren wird. Dies wird sich vor allem an der Größe der Stadt festmachen lassen. Jedenfalls könnten wir es - mit der Smart City - mit einer neuen Art von Stadt zutun bekommen. Einem Medium der Gesellschaft ganz neuer Art nämlich, in das man ganz bewusst wird eintreten können, indem man registriert wird und aus dem man - um es freundlich zu formulieren - auch wieder entlassen werden kann. So kommt durch die materielle Seite eine neuartige Unterscheidung hinzu, die ähnlich der alten Unterscheidungen von Stadt/Land und Zentrum/Peripherie fungieren könnte. Zu den materialen Schwierigkeiten wird schon heute reichlich Material an Lösungsvorschlägen aufgetischt, aber diese werden keinesfalls von allen gleichzeitig bewältigen werden können, wodurch ganz abgesehen von der Akzeptanz ein Unterschied generiert werden wird. Wie lange man im herkömmlichen Sinne noch von "Stadt" sprechen kann, wird zur Disposition zu stellen sein; man wird vielleicht feststellen, dass es sich eher um gewaltige Gated Communities handeln wird. Ob wir es letztlich mit neuartigen "Wohn-Formen" neben der Stadt zu tun bekommen, wird sich maßgeblich über die Funktion der Smart City für die Gesellschaft festmachen lassen.

Soziale Dimension
Weil auch auf die Smart Cities letztlich das Problem einer jeden Stadt zukommt. Erst wenn es nicht mehr gelingt den physischen Raum kosten- und machtfrei zu halten, und obendrein jedermann Zugang zu den Systemen der Gesellschaft zu gewähren, werden sie ihren Status verspielen. Veränderungen und Einflüsse des digitalen Umbaus muss man deshalb vordringlich auf die Funktion der Stadt als Stadt der Gesellschaft anrechnen, also ihren Einfluss auf das interaktive Verhalten dortiger Einwohner. Wir können davon ausgehen, dass die auf Interaktion basierende Kommunikation unter Anwesenden maßgeblich transformiert werden wird. Hierbei geht es um nichts weniger als die Manipulation gesellschaftskonstituierender Bedingungen und somit um die Funktion der Stadt im Speziellen. Mit anderen Worten, kann man hier auch die Frage nach dem Obsoletwerden der Stadt durch die Smart City stellen. Unterminiert die Smart City also die Funktion der Stadt?

Die Bedeutung der Stadträume für die Gesellschaft bekommt Konkurrenz von digitalen Systemen. Weil die Urbanität eine Qualität des Körperlichen vertritt sind urbane Räume bis dato die Anwälte des Möglichen, jenseits von Besitz. Die Folgen des Besitzes sind im Wesentlichen Differenzierung. Immer wenn wir Räume kreieren, zu deren Zugang Besitz Voraussetzung ist, erreichen wir Separierung und Segregation. Die physische Anwesenheit des Körpers in der Stadt, ist in ihrer Bedeutung für die Kommunikation ein weiteres Mal geschwächt. Die Komponente von Anwesenheit unter Kommunikationspartnern wird reduziert, weil in Systemen mehr Wissen über diesen Körper vorliegt, als er selbst zu signalisieren im Stande ist. Wir eliminieren damit den Zufall von Interaktion unter Anwesenden und unterlaufen das, was Luhmann die doppelte Kontingenz nennt. Jeder hat schon vor dem Zusammentreffen mit einem Unbekannten den Gesprächspartner gegoogelt. Die Frage, die Luhmann schon 1997 in den Vordergrund rückte ist, "wie weit Computer die gesellschaftskonstituierende Leistung der Kommunikation ersetzen oder überbieten können."(1,303) Auf der urbanen Bühne, so können wir heute beobachten, ist mit der Smart City eine Dimension erreicht, die unschwer erkennen lässt, dass Zuverlässigkeit und Vertrauen (2) von Personen abgezogen wird.

Mit der Ausweitung der digitalen Verbreitungsmedien, computergestützter Kommunikation auf die Eben der Stadt wird eindrücklich klar, wie die Struktur von Oberfläche und Tiefe, Bildschirm und Maschine Einfluss sowohl auf die psychischen, als auch auf die sozialen Systeme bekommt. (1,304ff) Die entscheidende Veränderung, die die strukturelle Kopplung von Computern an Bewusstseinssysteme, wie auch an Funktionssysteme der Gesellschaft mit sich bringt, besteht darin, dass von Körpern (physischen Systemen) auf Interfaces (Screens) umgestellt wird. Informationen, die ihre Bewegung und ihre Kommunikation strukturieren lesen sie von Oberflächen ab, ohne die Maschine im "Dunkel" zu kennen. Verhalten konstituiert sich aus Informationen auf Bildschirmen einer "Black Box", so nebenbei, wie sie einst auf der Lesbarkeit der Körper basierte.

Nicht unterschlagen darf man, dass wir ein solches Prozedere bereits einmal durchlebt haben, und daher die Folgen kennen. Schon die schriftliche Kommunikation via Buch und Flugschriften hatte die Eigenschaft Kommunikation von Körpern, Raum und Zeit abzuziehen. Wie wir wissen, haben Bücher die Gesellschaft dahingehend fundamental verwandelt. Die ihnen zugrunde liegende Schrift gehorcht neu entwickelten Regeln und eröffnet der Kommunikation unabsehbare Kombinationsmöglichkeiten jenseits der bis dato üblichen face-to-face-Erzählung. Schon Bücher ziehen die Kommunikation als Differenz von Information und Mitteilung zeitlich auseinander. Der Zusammenhang von Mitteilung und Verstehen wird raumzeitlich entkoppelt, jedoch die Absicht der Mitteilung bleibt aufrechterhalten. Bücher beinhalten im besten Falle absichtsvolle Information.

Der wesentliche Unterschied dazu: Computerunterstütze Kommunikation transformiert Daten, es handelt sich vor allem um ein neuartiges Medium, weil es den Umgang mit Information revolutioniert, indem es sich aus den Ereignissen "Eingeben" und "Entnehmen" jeweils neu konstituiert. Das heißt, die Absicht des Eingebenden unkenntlich macht. Erst zusammen aus "absichtsloser Eingabe" von Daten, und einer Suchanfrage ("absichtsvolle Entnahme") wird Information kreiert. Die Verarbeitung der Daten durch Programme macht eine Entkopplung von der Quelle entbehrlich. Es "entfällt die Möglichkeit, die Absicht einer Mitteilung zu erkennen"(1,309) . Mit den Worten Luhmanns gesprochen heißt das, Computer treiben die "soziale Entkopplung des medialen Substrats der Kommunikation ins Extrem"(1,309) . Mit anderen Worten "kann der Computer auch die Sachdimension des Sinns der Kommunikation in die Entkopplung einbeziehen."(1,310) Begreift man Information als aus Umweltdaten extrahierten Sinn, wird Sinn abhängig von der extrahierenden Instanz. Absichtsvolle Information kreiert sich durch den Entnehmenden. Die augenfällige Leistungsfähigkeit von Computern in Bezug auf Datenverarbeitung befreit Computer weitestgehend von der Notwendigkeit der Selektion von Information, auf die Menschen angewiesen sind. Es ist für Computer nicht nötig zu entscheiden, was erfasst oder gespeichert werden soll. Datenbanken sind dann: Ohne jede Information gespeicherte "Realität" für den Entnehmenden. Und es bleibt immer zu beachten: Der Entnehmende verfasst die Information im Augenblick der Entnahme!

Future, Future
Was bedeutet es, wenn man sich mit der Smart City der Situation annähert alles, was Sensoren in der Lage sind zu registrieren, in digitale Daten zu verwandeln zu können? Für die Kommunikation heißt es, nahezu alles wird kommunizierbar. Die Datendichte ist unermesslich und übersteigt jede menschliche Dimension. Sie kann jede Veränderung materialer Art und jede physische Bewegung aufzeichnen um sie als digitales Double für einen späteren Abruf-Zeitpunkt zu bewahren; jenen eigentlichen Zeitpunkt der Informationsgenerierung. Wohlgemerkt es handelt sich um Daten, die im wahrsten Sinne des Wortes "sinnlos" sind, oder besser "sinnfrei". Die Information steckt nicht in den Daten, sie entbehren jeder Information. Der Sinn, der ihnen entnommen werden kann, wird dann entstehen durch die Verarbeitung mittels Algorithmen, die von Nutzern auf sie angesetzt werden. Die Programme generieren die Information, sonst ist niemand mehr in der Lage dazu. Realität wird entstehen, aus dem Datenpool und nicht mehr aus einer physisch erlebbaren Umwelt. Der Abruf von Daten generiert die Information aus einem mehr oder weniger vollständigen Pool, weil Algorithmen eine Selektion in G ang setzt, die im Sinne eines wie auch immer gearteten Nutzers operiert. Es folgt nicht mehr notwendig ein Verstehen des Gegebenen, wie in jeder Form bisheriger Kommunikation. Es gibt nichts zu verstehen, weil keine Information vorliegt, sondern es gilt die Sensordaten unseres selbstgesponnen Kokons zu interpretieren, im Glauben zu rekonstruieren, was gewesen sein könnte. Wir werden gewesen sein, was auch immer wir/sie wollen.

Wir als kognitive Systeme kommen dennoch nicht umhin zu verstehen, so wie wir auch in einer sinnfreien Umwelt nicht zu leben in der Lage sind. Wir sind gezwungen zu Verstehendes aus dem Pool zu selektieren. Nie ward handgreiflicher deutlich, was man konstruktivistischen Positivismus nennen könnte: Wir verstehen die Welt, wie wir sie sehen! Wir benutzen externe Programme zur Selektion um Fakten herzustellen. Wir erbauen unter anderem mit "Smart Cities" Realitätsfabrikationen, auf denen wir unser Handeln gründen werden. Ihre Macht besteht dann darin, was sie uns bereitwillig als Tatsache kommunizieren: eine Realität (von unendlich vielen möglichen). Die Mächtigkeit dieser Systeme liegt in der Manipulation einer generierten Welt. Es ist überflüssig sich Gedanken zu machen, über die Gefahr, die von intelligenten Systemen ausgeht, die sich uns irgendwann Untertan machen. Die Macht, über die sie verfügen ist die Macht über die Realität, ohne die wir Menschen nicht auskommen und die sie uns nicht vorenthalten werden. Im Gegenteil: Die Emergenz von neuen technoiden Herrschaftsformen könnte darin bestehen, dass sie uns immer sagen, was wir hören wollen.

Wir "sehen" nicht mehr unmittelbar mit unserem körpereigenen sensorischen System, um mit unserem psychischen System Sinn zu generieren. Weil wir längst davon ausgehen, dass Computer umfassendere Datenmengen bewältigen können. Der Computer ist ein externer Filter, den wir als Sinngenerator bereits dankend angenommen haben, weil er über eine "Daten-Welt" in Echtzeit verfügt und sie uns generös bereithält und der wir zu jeder Zeit eine selektive Eigenwelt zu entnehmen in der Lage sind. Das geschickte daran ist, es funktioniert wie die Sprache, sowohl in der individualisierten, als auch in der sozialen Sachdimension. Die Schrift und im Speziellen das Buch generierten eine funktionsdifferenzierte Spezialisten-Organisation von Wissen. Der Computer eröffnet der Kommunikation eine übergreifende Wissensorganisation, die wie Luhmann sagte jeder "Autorität der Quelle" entbehrt und Urheberschaft durch "Unbekanntheit der Quelle"(1,309) ersetzt.

Sicherheit und Risiko
Wir denken via Computerprogramme, wie wir mittels Büchern sehen. Wir haben die bislang denkbar größte Virtualitätsmaschine geschaffen, an den wir unsere Körper strukturell koppeln können. Der Rest ist nur noch Schnittstellenproblematik. Die visuelle Kopplung via Zeichen und Bilder ist zur Zeit noch die stärkste Form, aber an jedweder neuronalen Implantation wird gearbeitet. Was geschieht mit der Stadt, wenn wir beginnen unsere Umwelt den Screens zu entnehmen? Die Smart City ist darum bemüht Informationen zu generieren über die makro-physischen Zustände von Bewohneraggregaten. Zum einen über Ereignisse, die sich im Raum der Stadt ereignen. Zum anderen über Mikrodaten, Sensorereignisse die unmittelbar die Köperfunktionen des Einzelnen in eine Datentabelle überführen. Einmal will man Massenphänomene rekonstruieren, wie Verkehrsfluss und Kriminalität, zum anderen will man Lebensbedingungen für Menschen regulieren, kontrollieren oder auch manipulieren. Sei es indem man Service der Vorhersage von Stoßzeiten in der Londoner U-Bahn bietet, die Kriminalitätsbrennpunkte deutlich markiert oder massenweise Vorhersagen über Gesundheits- und Lebensfunktionen verteilt. All diese Informationen erscheinen auf den diversen Oberflächen der Smart City, mit denen sie omnipotent bestückt ist. Zu denen zählen die Smartphones ihrer Bewohner, die Gegensprechanlagen ihrer Gated Communities und auch die unüberschaubaren Bildschirmwände der Kontrollzentralen der jeweils zuständigen Sicherheitsorganisationen, städtischer, privater oder staatlicher Provenienz.

Wenn seit dem Ende des 19. Jahrhundert in einer ersten Phase die Massenkommunikationsmedien Öffentlichkeit aus der Stadt absaugten, ließen sie die individuelle Bewegung der Körper in den Straßen zurück, das, was Luhmann "Mikrodiversität" bezeichnet, das "massenhafte interaktive Geschehen"(3,196) unter Anwesenden. Dann wohnen wir mit der Überformung des urbanen Geschehens mit digitaler Datenerhebung und der Smart City einer zweiten Phase der Reintegration physischer Restbestände in die Gesellschaftssysteme bei. Computersysteme erlauben es auf Grund ihrer für menschliche Dimensionen unermesslichen Effektivität ihrer Daten-Sammlung/Speicherung/Auswertung in Echtzeit, aber auch zu jeder Unzeit Mikrodiversität aufzugreifen und in Szenarien umzudeuten.


Predicitve Policing München: Die diversen Farben der markierten Sektoren symbolisieren die aktuell vorherrschende Kriminalitätswahrscheinlichkeit.

Szenarien können beispielsweise als grafische Darstellungen von Verbrechenswahrscheinlichkeit (Predictive Policing) vorliegen, ebenso wie als Ansagen über das Echtzeit-Verkehrsaufkommen auf Straßen. Das Ablesen von strafrechtlich bedenklichem Verhalten wird ebenso, wie das gesteigerte Automobilaufkommen weder in erster Instanz im psychischen System registriert, noch durch sinnhafte Kommunikation vermittelt, sondern mittels Algorithmen synthetisiert und auf einem Bildschirm des virtuellen Gegenübers, der ohne zu wissen, wie die Information generiert wird, glaubt Realität abzulesen. Dabei ersetzt die Oberfläche der Screens sowohl die Kommunikation unter Anwesenden als auch die der Massenmedien.

Der Operateur mit dem es die Bewohner zu tun bekommen, ist für die Bewohner die "Black Box". Ein Gegenüber, von dem man nicht weiß, was er weiß und wie er urteilt. Ein Gegenüber unvorstellbarer Tiefe an Raum und Zeit, da ihm nahezu alles für immer zur Verfügung steht, um jederzeit Information zu generieren. Das wird juristische Probleme nachsichziehen, allein weil niemand mehr in der Lage ist, zu sagen, wie die Information generiert wurde, auf Basis derer Urteile gefällt wurden. Auch wenn man möglicherweise die Datenpools und die Sensorquellen noch angeben kann, gedacht, sprich selektiert und sinnprozessiert, hat sie kein Individuum, sondern ein opakes, geschlossenes System aus Sensoren, Speichern und Oberflächen. Der Manipulationsverdacht besteht dabei nur als ein theoretisch zu wissender, und bleibt als die andere Seite der Form erst einmal unsichtbar. Wir sehen die Welt, die uns die Oberflächen der Computersysteme generieren, in zunehmendem Unwissen über deren Prozessierung, über die sich nur sagen lässt, dass sie außerhalb unserer psychischen Systeme stattfindet. Die Übersetzung von Mikrodiversität in grafische Oberflächen, ersetzt uns in der Smart City sukzessive die unmittelbare Umgebung. Während Massenmedien uns noch die unmittelbare Umwelt als interaktionsraum überließ, wäre man dann in der Lage mittels computerunterstützter Datenpower auch die physischen Restpartikel der face-to-face-Kommunikation zu erhaschen und den Zufall der physischen Begegnung, - der für die Stadt einst den gesellschaftskonstituierenden Unterschied machte -, gänzlich zu eliminieren.

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