Es gibt keine dummen Antworten, es gibt nur
dumme Fragen, und vielleicht gibt es sogar nur dumme Fragen.

Es gibt keine Dummen, die antworten, es gibt nur Dumme, die fragen.

Haben wir aber einmal zu fragen begonnen, dann sind es die Erfahrungen in denen wir immer schon drinstecken, die uns an den Sohlen kleben.

Die Beobachtung ist Grenze und die Grenze ist Beobachtung: die Vernichtung der Einheit. Die nach David Spencer-Brown nur noch als Trinität zu haben ist: "Um eines zu beobachten, muss man zwei definieren. Um zwei zu definieren, muss man drei bezeichnen."

Real ist das, was wir nicht bezeichnen können: die Welt. Das Reale ist, was wir durch die Bezeichnung (Referenz) zerlegen. Die Wirklichkeit ist das sichtbar (bezeichnet) und unsichtbar Gemachte zu gleicher Zeit: die Form. Die Bezeichnung zerstört die Welt, macht aus der Realität etwas Bezeichnetes und Wirkliches, und einen unbeobachteten Rest.

Bei Luhmann ist nachzulesen: Jede beobachtbare Beobachtung ist Verletzung der Welt. Sie eröffnet die Möglichkeit ihrer Verneinung, sie konstituiert dadurch Sinn. (vgl. Luhmann, Niklas, Wissenschaft der Gesellschaft) Die Beobachtung versetzt durch ihre Unterscheidung das, was geschieht in den Modus der Kontingenz. Sinn ist die Form des Umgangs sinnorientierter Systeme mit Komplexität.

Kultur ist das aneinander Koppeln von individueller Disposition mittels Kommunikation.

Wohlstand erstickt alles Wertvolle.

Der Wohlstand hindert die Menschen zu denken, etwas aus sich zu machen, sich gegenseitig zuzuhören, er hält nur eine Forderung bereit: Dass er bewahrt bleibe. Der Wohlstand macht träge und verstopft das Gehör, tötet die Sinne und gaukelt Ziele vor, wo nie welche sein können. Er lässt den Verstand einschlafen, die Sorge sich in Belanglosigkeiten wuchernd, alternative Nistplätze besorgen. Der Erstickungstod naht, wenn Wohlstand die Fäden in den Händen hält, dann tanzen Marionetten mit schlaffen Gliedern und dreistem Anspruch auf den Brettern, die den Abgrund sorgsam verbergen. Die einzige Rettung, die selbstverschuldete Armut? Der Wohlstand hat die Familien gelähmt, die Freude der Entdeckung gelöscht, um der Sicherheit willen. Bunkerdicke Mauern errichtet um Hirn und Gefühl. Taube Globen torkeln in Nasszellengehirnen, wie ruhelos - Spiele, Nervosität erzeugend, in völliger Abgeschiedenheit. Die Köpfe rasseln wie Kinderspielzeug, solange es niemand knackt. Der Wohlstand ist hartnäckig, zäh, nur mit Gewalt abzuschütteln. Wie dem Pilz bleiben die einmal Befallenen dem Parasit zugänglich auf Lebenszeit. Man kann ihn Austrocknen, manchmal, töten nie. Auf dem verdorrten Boden ersprießt er unvermindert, wenn neuer Regen einsetzt. Die Erlösung vom Wohlstand ist immer Therapieversuch, selten erfolgreich.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist unzulässig, weil sie vor den Sinn zurückgeht.

Die Menschen sind der Dummheit verfallen anzunehmen das Denken und das Handeln betreffe die gleiche Welt. Die Professionellen dieses Glaubens sind die Handwerker.

Bei Sartre ist es das Scheitern, nicht Denken zu können, was man denken will, nicht zu erreichen, was man sich vorgenommen hat zu erreichen. Dann ist das Leben eben ein Scheitern! Und wenn schon das Scheitern das Naturgemäße ist, dann scheitern wir eben. Das Denken mit dem Handeln in eine Welt zu bringen ist das größte Kunststück. Die Handwerkskunst ist die größte. In ihr treffen Gedanken und Handlung in einer gemeinsamen Schnittstelle. Was wir an Handwerkskunst um uns haben, ist einzigartiges Verschnittprodukt. Ihr Nachfolger ist die Technik; eine Abkürzung lediglich, ein Kurzschluss eher, eine Kunst für jedermann. Man kann Technik in Form gegossenes Handwerk nennen, sie anwenden, genießen und natürlich kaufen: geronnene Handwerkskunst, sozusagen.

Die Unsichtbarkeit der Dinge lehrt uns den Umgang mit den Gegenstandslosen. Im Umgang lernen wir dann von den Dingen abzusehen. Die Sprache wird sich finden.

Es ist der Verlust der eigenen Umstände, der jede Fertigkeit ins belanglose schlägt. Das Individuum sieht sich nicht mehr seinen Umständen entsprechend in der Lage die Welt zu meistern. Das Individuum taugt nicht mehr.

Ich bin eh nur auf der Welt, um zu beobachten, wie jeder Mensch. Es stellt sich immer nur die Frage, wie intensiv man es betreibt.

Der Gesellschaft fehlt es an Vokabular. Die Sprache der Politiker ist ebenso hilflos, wie die der Frau beim Bäcker, die sich über den zukünftigen Zeitpunkt verständigen will, zu welchem sie ihr bestelltes Brot abzuholen wünscht. Unterscheidungen haben sich vor langer Zeit eingebürgert, festgesetzt und entsprechen kaum noch den täglichen Gegebenheiten. Adäquate Kommunikation wird höchst umständlich empfunden. Verallgemeinerung tut Not, wenn Gesellschaft kommuniziert, und das benötigt Zeit. Eine Gesellschaft muss bestrebt sein ihre Probleme möglichst schnell in adäquate Sprache zu gießen. Eine Gesellschaft hat ihre Schriftsteller höchst notwendig.

Auf die Einzigartigkeit der Welt des Individuums vorbehaltlos einzugehen ist nur der Liebe vorbehalten. Ansonsten ist es in seiner einzigartigen Welt allein. Reziprok dazu gibt es nur eine Welt für alle: die Gesellschaft, bereinigt um Emotionen und Moral. Zwar wird die Gesellschaft immer wieder von Emotionen und Moralvorstellungen traktiert, auch wird darüber kommuniziert, doch es gibt keine Instanz dafür.

Das ausgesprochene Verbot des Mitdenkens zeigt unmissverständlich den drohenden Zerfall einer Hierarchie an.

Der Lichtkegel des Scheinwerfers hat sicherlich das Tageslicht in seiner Funktion des öffentlichen Lichtes ersetzt.

Autisten gehen in der Welt auf, sie sind eins mit der Welt. Sie sind alles andere als abgeschlossen, autistisch! Sie sind gerade nicht operativ abgeschlossen! Sie können Signale nicht als Selbst- bzw. Fremdreferenz zuordnen. Erleben und Handeln können Autisten nicht differenzieren. Ihr Gehirn ist keine operativ geschlossene Einheit: kein System. Sie leben nicht in ihrer Welt (so tun es ausschließlich die "Gesunden"), wie man immer sagt, sie leben als einzige mit der Welt, undifferenziert, ohne Grenze ohne Barriere, ohne ein eigenes Ich zu sein. In der Folge ist Kommunikation mit einer Außenwelt, etwas, das gar nicht existiert, nicht bezeichenbar ist. Es gibt weder ein Innen noch ein Außen. Autisten sind mental im wahrsten Sinne des Wortes für alles offen und deshalb permanent der Komplexität einer undifferenzierten Welt ausgesetzt. So wird Handeln (das Unterscheidung zu einer Außenwelt voraussetzt) für derartige Gehirne unmöglich. Jede Information ist gleichwertig. Das Gehirn wird zum Abbildungsorgan ohne Identität.

Den nächsten Tag hat er nicht mehr vollständig erlebt. Nicht weil die Operation misslungen wäre und er physisch gestorben wäre. Nein, weil sie geglückt ist. Die Welt hat aufgehört zu existieren. Er ist Welt geworden! (Auch so eine Vorstellung von Tod!)

"Der Geist ist ´s, der sich den Körper baut" (Goethe), aber der Geist ist ´s der im Körper nur funktioniert.

Fragte mich jemand, was die größten Lügen sind, so antwortete ich ihm, die findest Du, wenn Du Dir die Lebensweisheiten vornimmst. Alles Einredekunst.

Es handelt sich bei Lebensweisheiten immer um Vereinfachungen zur Reduktion von Komplexität: All-Aussagen. Alles Quatsch!

Kultur ist nichts anderes, als die Summe aller kollektiven Vorurteile. Akkumulierte Selbstverständlichkeiten, die in Funktion von Filtern die Vernunft betäuben.

Der freie Wille ist ein soziales Konstrukt, installiert zur freieren, unabhängigeren Form des Zusammenlebens. Größere Freiheit in der Gesellschaft. Größere Determiniertheit in der Handlung. Das evolutionäre Wechselspiel von Freiheit und Abhängigkeit im Kontext von Gesellschaft inszeniert den freien Willen, um auf das Individuum Schuld und Verantwortung auszulagern und auf diese Weise mehr Experimente zu provozieren, im günstigen Falle also von Erkenntnis und Innovation zu profitieren, die bei unkonventioneller Handlung entstehen können.

Im Narrentum erweist sich die Positivität der echten Menschlichkeit.

Eine Begründung ist nie befriedigend. Es verlangt einem nach einem guten Gefühl!

Der Körper geht einem immer voraus. Ihn von hinten mit Sinn umzustimmen gelingt nur selten und auch nur den Masochisten.

Zitate sind etwas für Menschen, die es gerne einfach mögen. So lieben es die Menschen, wann immer wieder einmal jemand Sätze spricht, die mit "in Wahrheit" beginnen. Man glaubt einfach zu gerne es gäbe das Absolute.

Die Vorgewitterwolken hingen wie ein Riesenschirm über mir. Fetzen von Luftgewebe, die der Sturm vorschickt.

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Beobachtungen eines unheilbaren Weltversessenen von Jürgen Mick
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erschienen 2011